ein langes Amsterdam-Urlaubs-Resumee…
Seit heute (d.h. Donnerstag) abend weile ich wieder in heimischen Gefilden. Wer sich nicht über die plötzliche Ruhe gefreut hat oder aus sonst einem Grund nicht gemerkt hat dass ich überhaupt weg war:
Ich wars. Mit dem Fahrrad nämlich, und in Holland – genauer gesagt, sind wir zu viert (wir heißt Ilja, Carina, ihre Cousine und meine Wenigkeit) mit dem Fahrrad von Troisdorf nach Amsterdam und mit der Bahn wieder zurück gekullert.
In der Praxis sah das dann so aus, dass wir 65-80km täglich zurückgelegt haben und dann abends mehr oder weniger spontan einen Campingplatz zwecks Übernachtung in 2 Zelten angepeilt haben, was meistens nicht ganz perfekt geklappt hat, da Campingplätze nicht so dicht auf der Karte gestreut sind wie man sich es manchmal wünschen würde (dadurch kamen auch die 80km-Tage zustande – wir haben einfach nix Näheres mehr gefunden und die Mädchen mussten so lang durchhalten und haben es nebenbei bemerkt auch tadellos geschafft)
Wind und Wetter meinten es mal mehr und mal weniger gut mit uns: so hatten wir streckenweise netten Rückenwind, aber auch sehr oft eben nicht. Aber auch ein recht heftiges Gewitter mit Wolkenbruch und eine mehrstündige Fahrt in strömendem Regen konnten uns nicht aufhalten, auch wenn es die Motivation, weiterzufahren, erheblich drückte.
Jedenfalls folgte der erste Teil unserer Reise, die Hinfahrt nämlich, zum Großteil folgender Tagesordnung:
- aufstehen
- essen
- fahren
- über doofen Wind ärgern
- ungewollten umweg fahren
- essen kaufen
- fahren
- essen
- zeltplatz suchen
- verfahren
- weitersuchen
- endlich Zeltplatz erreichen
- aufbauen, essen, erschöpft in schlafsack schlüpfen
Auf den Zeltplätzen war es mitunter recht lustig. Auf einem Zeltplatz, den wir am Ende des 4. Tages komplett durchnässt und bei fortgeschrittener Dunkelheit erreichten, hatten wir wie immer das Problem, dass nasse Kleidung im Regen schlecht trocknet.
Das wird erst recht extrem problematisch, wenn man (wie wir) jeweils bei Einbruch der Dunkelheit ankommt und (wie wir) morgens wieder fährt, plus (wie wir) in einer eh nicht sonderlich sonnigen Zeit (das ist Euphemie) fährt.
Im Klartext, unsere Klamotten waren nass und wir hatten keine Ahnung wie wir sie trocknen sollten. Außerdem hatten wir die Zelte im Regen und Scheinwerferlicht des Rezeptionisten-Autos aufgebaut und weder gegessen noch geduscht.
Die brilliante Lösung: Einfach mit dem ganzen Gepäck, den stinkenden Klamotten und durchgeweichten Schuhen im Duschgebäude einrichten. Das lief auch wunderbar: Wir belegten den meisten Platz für unsere durchweichten Sachen, duschten ausgiebig und bekamen gerade wieder bessere Laune… als der Rezeptionist uns unter Androhung des sonstigen Rausschmisses 15 Minuten Zeit gab um das Duschgebäude zu räumen, da anscheinend 2 Besucher sich beschwert hatten.
Wobei wir da eigentlich noch Glück im Unglück hatten: Hätte der Rezeptionist gesehen, dass wir im Gebäude unseren Campinggaskocher angeschmissen und dort gegessen und den Fön zum Trocknen unserer Schuhe dauerbelegt hatten… wir wären womöglich sofort geflogen.
So kamen wir glimpflich davon; immerhin die Nahrungsaufnahme und das Duschen war geglückt, und unsere Sachen waren zumindest trockener als davor.
Und an Tag 5 war es nach 360 km dann auch soweit: Wir fuhren durch die Amsterdamer Innenstadt auf der Suche nach einem Campingplatz, den wir dann (unverschämt nah am Zentrum) auch fanden. Toll war an diesem Campingplatz aber auch nur die Lage:
Beim Gang über den Zeltplatz, der hauptsächlich von Jugendlichen oder jungen “Erwachsenen” bevölkert wurde, nahm man sehr sehr deutlich den Geruch wahr, für den Amsterdam berühmt ist (nee, KEIN Käsegeruch) und so wurde es zwischen Ilja und mir zum Zeitvertreib, vorbeigehende Leute auf einer 10-Punkte-Skala für die Kiffwahrscheinlichkeit einzuordnen (die 10 wurde sehr oft vergeben).
Beispielhaft waren auch die Sanitäranlagen auf dem Campingplatz: Toiletten ohne Toilettendeckel und Klopapier, Duschen ab 22:00 oder so geschlossen und das Beste: sowohl Toiletten als auch Duschen komplett in dunkelblauem Fixerlicht (das Licht, worin man seine Venen nicht mehr sieht und sich deshalb schwerer einen Schuss setzen kann). Ich kann nur sagen, dass ich in Fixerlicht sehr sehr ungern dusche: man erkennt nicht, wo man sauber ist und nicht, man erkennt nicht wirklich ob man gerade auf Shampooschaum oder vorverdautem Essen steht… und es sorgt bei mir definitiv dafür, dass ich die Dusche als nicht sonderlich atmosphärisch ansprechend erlebe. Aber bei der perfekten Lage des Campingplatzes waren wir in der Lage, damit zu leben…. und bei den seltsamen Gestalten, die da teilweise rumliefen, will ich mir nicht vorstellen, wie es ohne Fixerlicht zuginge
Amsterdam selbst ist eine sehr schöne Stadt. Hat kein so wirkliches Zentrum (oder eine tolle Skyline), bietet aber auf großer Fläche viele schöne Straßen und Gässchen (wobei die Coffeeshops eher in den Gässchen sind) und gefällt mir auch irgendwie einfach so sehr gut. Den einen freien Tag, den wir hatten, verbrachten wir dann eher untypisch. Was macht man wohl in Amsterdam? Coffeeshops besuchen? Museen? Führungen? Nein. Unsere erste richtige Station in Amsterdam war folgendes Etablissement:

(alle unter 18 machen jetzt bitte die Äuglein zu und klicken hier
)
Dort trieben wir uns dann auch eine gute Stunde herum und begutachteten Kleinode wie dieses:

Oder künstlerisch anmutende Gebäckstücke…

Oder tolle Comics…


… und sogar das ein oder andere Stück, das ich sogar unter Kunst oder zumindest unter ästhetisch einordnen würde:

Eigentlich waren aber der Hauptteil des Museums irgendwelche Hardcore-Fotos (eventuell sollte das sowas wie “das Beste der 70er, 80er und 90er” sein, aber es war leicht “unmuseumisch”), man konnte aber dort wunderbar die Zeit totschlagen und ich hab es nicht bereut, dafür 3 € bezahlt zu haben. Ist echt lustig dort, wenn der eigene Humor mitspielt.
Nach dem “Museumsbesuch” ging es auf eine anstrengende Souvenirjagd… und dann und auch zwischendurch auf Futtersuche. Der Tag war sehr schnell vorbei und ich hätte noch mehr Zeit dort verbringen können… muss wohl nochmal dorthin zurück.
Kleiner Tipp übrigens: Kauft NIEMALS aus dem untersten Regal in einem Süßigkeitenladen. Warum? Darum:

Der Hund schlabberte sich fröhlich, von seinem Frauchen unbemerkt (vielleicht hat das was mit der Pflanze auf ihrer Tasche zu tun???), durch das Regal, was den darauf aufmerksam werdenden Angestellten sichtlich erfreute.
Wenn man ihnen nicht gerade auf den Schlips tritt, sind die Holländer (bzw. zumindest die 10-20, mit denen wir zu tun hatten), extrem hilfsbereit – das ist gar kein Vergleich zu Deutschland. Steht man mit der Karte herum, wird man von einheimischen Passanten angesprochen, ob man Hilfe brauche (meist sogar in passablem bis gutem Deutsch, ansonsten in gutem bis sehr sehr sehr gutem Englisch!!!), für uns ist sogar ein Autofahrer im strömenden Regen aus seinem Wagen ausgestiegen und mit seinen teuren Lederschuhen durch den Matsch gestapft, um uns einen Campingplatzeingang zu zeigen, ein anderer hielt einfach so an der Straße an, fragte wo wir hinwollten und erläuterte uns (unaufgefordert) einen schönen Radweg mitten in die Amsterdamer Innenstadt.. es ist wirklich (im positiven Sinne) beängstigend, wie nett und zuvorkommend die Leute, mit denen wir zu tun hatten, waren.
Wer mal in den Niederlanden rumkurvt und sich irgendwas fragt, sollte lieber einen Passanten fragen. Das bringts echt, meist erfährt man sogar mehr als man wissen wollte.
Außerdem empfehlen kann ich einen Abstecher (hahaha, Wortspiel…) ins Rotlichtmilieu (wie man da hin kommt? Einfach fragen! Haben wir, bzw. der rotlichaffine Ilja auch gemacht), welches sehr zentral liegt und schnell erreichbar ist. Die Atmosphäre muss man einfach mal erlebt haben (auch wenn ich es irgendwie armselig fände, da wegen des Rotlichts hinzugehen.. aber so voll wie es da war, scheint es den meisten ja nicht so zu gehen)
Weitere Empfehlungen: VLA. Das ist quasi (Trink-)Pudding in vielen Sorten (Schoko, Karamel, Vanille, Himbeer, Schlagsahne-xyz, …), und macht süchtig, weil lecker. Außerdem ganz toll: Albert Hejn (oder so) Supermärkte: Dort gibts (nicht ganz soo billige, aber um so bessere) Fruchtgetränke in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen (heißen “Smoothies”, diese Woche im Angebot: 250ml-Flasche für 1€), die vermutlich genauso gesund sind wie sie gut schmecken.
Die Deutschen Supermärkte könnten sich da ruhig ne dicke dicke Scheibe abschneiden
Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber das kommt sicher noch.
25. August 2006 um 18:54
“Wer mal in den Niederlanden rumkurvt und sich irgendwas fragt, sollte lieber einen Passanten fragen. Das bringts echt, meist erfährt man sogar mehr als man wissen wollte.”
Tja, scheint die Drogenpolitik doch was zu bringen
Achja und zu Vla … du kanntest Vla net? Hoffentlich auch Dubble Vla Flip probiert und ganz wichtig ne Pommes Spezial
17. September 2006 um 11:09
Schöner Bericht.
Nett auch der hässliche Köter mit der Hanf-Tante.
2. Juni 2008 um 19:18
Ja ja das liebe Amsterdam… dein Bericht erinnert mich irgendwie an meinen letzten Amsterdam-Besuch…
7. Oktober 2010 um 08:13
Mensch, ich freu mich schon. Nächstes Jahr zu Pfingsten gehts für nen paar Tage dorthin. Das wird klasse, bin gespannt!