Philip Morris – paradoxe Zweigleisigkeit

Zigarette

Der Zigarettenhersteller Philip Morris plant, neben seinen Zigarettenmarken (Marlboro) zur Abwechslung mal keine neuen giftigen Suchtmittel in Zigarettenform, sondern ein der Gesundheit womöglich sogar zuträgliches Gerät auf den Markt zu bringen.

Grundidee der Entwickler war, ein Gerät zu entwickeln, mit dem man das Suchtmittel Nikotin durch einen Inhalator in die Lunge befördert, so dass kein giftiger Tabakrauch mehr inhaliert wird. Die mit diesem Projekt erreichten Fortschritte sollen jetzt für ein Spin-Off in Richtung Medizin namens “Aria” benutzt werden: Die Entwickler haben einen Inhalator hergestellt, mit dem medizinische Wirkstoffe vielfach effektiver von der Lunge aufgenommen werden können als bisher möglich.

Dazu wird eine Wirkstofflösung im Inhalator erhitzt, so dass sie bei Raumtemperatur im gasförmigen Zustand vorliegt und ein sogenanntes Aerosol bildet (ein heterogenes Stoffgemisch aus einer Flüssigkeit und einem Feststoff im gasförmigen Zustand, also eine gasförmige Suspension). Dieses gelangt in Form kleiner Tröpfchen über die Atemwege in die Lunge.

Ob der Morris-Konzern mit dieser Erfindung den gewinnträchtigen Riesenmarkt der Medizin erobern kann, wird sich zeigen. Der Inhalator könnte zum Beispiel zur Einnahme von Insulin- Schmerz- oder Asthmamitteln genutzt werden. Zuerst müsste der Konzern Überzeugungsarbeit leisten: viele Mediziner haben ihre Probleme damit, Philip Morris als Hersteller von medizinischen Geräten zu akzeptieren – immerhin ist der Konzern als Zigarettenhersteller bisher der Erzfeind der Mediziner gewesen. Verschiedene Ärztekongresse haben die Aria-Produktmanager bereits wegen ihrer Nähe zum Zigarettenkonzern wieder ausgeladen, auch lehnen einige Fachzeitschriften Beiträge, die von der Tabakindustrie finanziert werden, kategorisch ab.

Immerhin schön zu sehen, dass ein Tabakkonzern auch mal ein positives Ergebnis aus der Vergiftung von Menschen ziehen kann, wobei es natürlich paradox ist, dass auf der einen Seite ein gesundheitsförderndes Gerät verkauft und auf der anderen Seite unter bewusstem Inkaufnehmen schwerer Krankheiten mit der Sucht Profit gemacht wird. Wenn es nach mir ginge, würden sie ganz mit den Zigaretten aufhören, und nur noch Inhalatoren produzieren :)

Quelle: Spiegel Online

P.S.: Ich wurde eben von Malte darauf hingewiesen, dass es sowas ja schon gibt (Vaporizer oder ähnliche Inhalatoren). Ich konnte auch auf die Schnelle nicht herausfinden, was jetzt die große Neuerung am Modell von Philip Morris ist, ich vermute aber, dass das Aerosol feiner ist und dadurch der vielfach höhere Wirkungsgrad entsteht, der die Entwicklung von bisher existierenden Geräten abhebt.

Eine Antwort zu “Philip Morris – paradoxe Zweigleisigkeit”

  1. Malte Kraft sagt:

    Zum Thema Morris kann ich dir nur einen Hammer Film empfehlen: Insider, geht um eine wahre Geschichte und einen Prozess zum Thema rauchen.
    Unbedingt anschauen, kann ihn dir leihen, den gabs ma in iner Zeitschrift als DVD

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